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Sultanat Oman


Genau wie meine Reise nach Georgien, stand auch eine Reise in den Oman nicht von Anfang an auf meiner Reisewunschliste. Von Nepal kommend, suchte ich nach einer günstigen Variante wieder nach Deutschland zu kommen. Hier ploppte beim Vergleichen der Flugpreise immer wieder die staatliche omanische Fluggesellschaft Oman Air auf, welche ein um die Hälfte günstigeres Angebot auf der Flugroute Kathmandu – Frankfurt anbot, als die Konkurrenz auf der Flugroute Kathmandu – Düsseldorf. Umgestiegen wurde bei Oman Air in Muscat (omanische Hauptstadt).

Da Marie noch zwei Wochen Urlaub „übrig“ hatte, welchen sie nicht mit ins kommende Jahr nehmen wollte, beschäftigte ich mich mal etwas intensiver mit dem Oman als Reiseland.

Gerne hätten wir diese Zeit für einen Trip nach Israel genutzt. Allerdings las ich, dass dort im November das Wetter nicht so gut sein soll.

Und schließlich wurde aus einer Transit Destination, eine Urlaubsdestination für Marie und mich.

Vierzehn Tage Oman Rundreise mit dem Mietwagen. Was macht man da so??? Tja, diese Frage stellte ich mir auch.

Neben der sehr modernen, jedoch eher autofreundlichen Hauptstadt Muscat, besteht der Oman neben etwas Gebirge für kleinere Wanderausflüge, aus gaaaaaannnnzzzzz viel Wüste und / oder wüstenähnlichen Landschaften. Die Temperaturen bewegen sich im omanischen „Winter“ tagsüber um die 35 Grad Celsius und sinken in der Nacht lediglich knapp unter 30 Grad Celsius ab. Also …. ziemlich heiß! Ich bin gespannt, wie wir unsere Zeit hier gestalten können.

Mein Flug von Kathmandu nach Muscat mit Oman Air war bereits ein erstes kleines Erlebnis. Nachdem das Flugzeug sich aus der Smok-Wolke Kathmandus herausgekämpft hatte und über die Wolken stieg, gab es einen grandiosen Blick auf die Berge des parallel zur Flugroute verlaufenden Himalaya Gebirges. Unteranderem kam ich nun, zum Abschluss meiner Nepalreise, auch noch in den Genuss, einen Blick auf den mir immer verborgen gebliebenen 8.090 Meter hohen Gipfel des Annapurna 1 zu erhaschen. Ein sehr majestätischer Anblick im letzten Licht des Tages.

Im Gegensatz zum spektakulären Ausblick, welcher mir außerhalb des Flugzeuges geboten wurde, ging es beim Service von Oman Air innerhalb des Flugzeuges eher unterirdisch zu. Gefühlt die Hälfte der Passagiere dieses Fliegers hatte beim Essen keine Wahl mehr. Es gab nur noch einen vegetarischen Tofu-Brei mit Reis und trockenem Brötchen. Nach dem Essen ergab sich das nächste Problem. Lediglich eine der beiden für die Economy-Class vorhandenen Toiletten funktionierte. Trotzdem sich die Schlange der im Mittelgang wartenden Toilettengänger mittlerweile von der im Heck befindlichen Toilette bis zum Beginn der Tragflächen staute, wollten die Flugbegleiter die beiden im vorderen Bereich der Maschine befindlichen Toiletten, welche für die Business-Class reserviert waren, nicht für das so langsam ungeduldig werdende Volk der Economy Passagiere freigeben. Lieber ließ man die Leute verärgert warten und versteckte sich, für Nachfragen nicht mehr erreichbar, hinter den zugezogenen Vorhängen in der Bordküche. Ein, wie ich finde, ziemlich miserabler Service.

Muscat empfing mich modern! Der Flughafen war – im Gegensatz zu Kathmandu – futuristisch, riesig groß und picobello sauber!

Die Sache mit dem von mir gebuchten Mietwagen war ebenfalls schnell geklärt. Wenige Minuten nach meiner Ankunft am Schalter der Mietwagenfirma, düste ich in einem klapperigen weißen Nissan Sunny durch den immer noch schwülheißen omanischen Abend in Richtung Hotel.

Die Nacht war kurz. Um 3:30 Uhr morgens holte mich Marie, mit ihrer Ankunft im Hotel, aus dem Bett. Ihre Reiseroute führte von Düsseldorf über Istanbul nach Muscat. Die Freude über das Wiedersehen war, auch nachts um 3:30 Uhr, riesig.

Den folgenden Tag (12.11.18) verbrachten wir noch in Muscat und schauten uns die Stadt an. Wobei sich dies etwas schwieriger gestaltete als gedacht. Muscat hat nicht wirklich ein Stadtzentrum bzw. eine Innenstadt. Diese Art der Stadtplanung erinnerte mich sehr stark an viele Städte in den USA.

Nachdem wir Muscat verlassen hatten, fuhren wir am 13.11.18 in das 150 Kilometer entfernte Nizwa. Bereits nach wenigen Kilometern auf der Autobahn fiel uns auf, dass in einem Abstand von ca. 4 Kilometern auf dem Mittelstreifen der Autobahn modernste Radarmessgeräte die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge kontrollierten. Diese nicht ganz kostengünstige „Überwachungstechnik“ war auf der gesamten Strecke Muscat – Nizwa installiert. Neben dieser quasi lückenlosen elektronischen Verkehrsüberwachung, stach die massive Polizeipräsenz ins Auge. In vielen Ortschaften auf unserer Strecke war das Gebäude der örtlichen Polizeidienststelle, neben der Moschee, das schönste und größte Gebäude des Ortes.

Nizwa selber hatte nicht so viel zu bieten. Neben dem historischen Fort, schauten wir uns am Folgetag ein paar alte Bergdörfer in der Umgebung an. Landschaftlich schon ganz nett ….

Von Nizwa ging es am 15.11.18 für eine Nacht in das Örtchen Ibra. In Ibra gab es noch weniger zu sehen. Daher verbrachten wir hier die meiste Zeit in unserer irgendwo im nirgendwo gelegenen Hotelanlage außerhalb von Ibra.

Für die folgenden zwei Nächte (16.11. -18.11.18) haben wir uns in einem 120 Kilometer von Ibra entfernten „Wüstencamp“ eingebucht. Leider war das Camp jedoch nicht mitten in der Ramlat al Wahiba Wüste, sondern lediglich am Rande. Das hatte zwar den Vorteil, dass wir mit unserem nicht Allradfahrzeug ohne Probleme über eine extra präparierte Piste bis zum Camp fahren konnten, allerdings war es dadurch auch nicht unbedingt sehr weit abseits der nächsten Stadt. Ein richtiges Gefühl der Abgeschiedenheit wollte daher leider nicht aufkommen.

Um in das Tagesprogramm, welches in der Regel aus Essen und Lesen bestand, etwas Abwechselung zu bringen, buchten wir für den späten Samstagnachmittag einen einstündigen Ritt auf einem Kamel.

Ein Ritt auf einem Kamel ist eine sehr wackelige und harte Angelegenheit. Bequem ist sicherlich anders. So kam es auch, dass ich mich nach einer halben Stunde absetzen lassen habe und lieber nebenher lief, um ein paar Fotos von Marie zu machen.

In den folgenden Tagen entschlossen wir uns über die Hafenstadt Sur wieder so langsam in Richtung Muscat abzudrehen.

Der Norden Omans ist durchzogen von sogenannten Wadis. Wadis sind aus dem Gebirge kommende Flussläufe, die die meiste Zeit des Jahres ausgetrocknet sind und sich lediglich an wenigen Tagen des Jahres, durch vorher aufgetretene starke Regenfälle, mit Wasser füllen. Auf dem Rückweg in die Hauptstadt machten wir noch einen Stopp, um eine kleine Wanderung in Omans wohl berühmtesten Wadi zu unternehmen. Der Wadi Ash Shab liegt in der Nähe von Sur und führt auch in der Trockenzeit noch etwas Wasser. Nach einer etwa 40minütigen Wanderung bietet sich die Möglichkeit in sogenannten Pools (kleine Naturschwimmbecken in denen sich das Wasser sammelt) zu schwimmen. Dies hat sich selbstverständlich nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei den Touristen herumgesprochen. So war es auch nicht verwunderlich, dass bei unserem Eintreffen an dieser Badestelle bereits sehr viel los war.

Uns war das zum Schwimmen zu viel Trubel. Daher schauten wir uns das Ganze etwas an und wanderten wieder zurück zum Auto. Wenige Minuten weiter gab es erneut die Möglichkeit ein Bad zu nehmen. Diesmal jedoch in einem sogenannten Senkloch (ähnlich der von mir in Mexico besichtigten Cenoten). Mitten im Nirgendwo gab es einen Parkplatz, ein abgezäuntes Areal und in der Mitte dieses Areals ein mit Wasser vollgelaufenes Loch in der Erde in dem man schwimmen konnte. Auch hier war bereits eine Menge los.

Die kommenden Tage wollten wir von Muscat aus noch ein paar Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Leider ist der Oman mit Sehenswürdigkeiten nicht gerade reich gesegnet.

Die Sehenswürdigkeiten des von uns besuchten Nordens kann man sehr gut mit dem Mietwagen in einer Woche „abgrasen“. Die Mitte des Landes ist quasi „leer“, größtenteils unbewohnt und landschaftlich wohl noch karger als es bereits der Norden ist. Ganz in den Süden haben wir es, aufgrund der großen Distanzen, nicht geschafft.

Die Omanis empfanden wir als sehr nette, hilfsbereite und kontaktfreudige Menschen. Sehr gewöhnungsbedürftig war allerdings, dass sich das Leben der Omanis quasi nur vormittags und in den fortgeschrittenen Abendstunden abspielt. In der Zeit von ca. 12 Uhr bis ca. 17-18 Uhr waren die von uns besuchten Städte nahezu ausgestorben. Aufgrund der sehr hohen Temperaturen in dieser Zeit zieht man es eher vor, eine ausgiebige Pause in den heimischen vier Wänden zu machen.

Der Oman ist ein Autoland. Das merkt man als Fußgänger sehr sehr schnell. Die städtische Infrastruktur ist fast ausschließlich auf Autofahrer und nicht auf Fußgänger ausgerichtet.

So erfolgt unteranderem auch die Bestellung des Abendessens aus dem Auto heraus. Das klimatisierte Auto verlässt man nur sehr widerwillig. Um eine Bestellung abzugeben fährt der Omani hupend vor das Restaurant / den Imbiss und gibt erst dann Ruhe, wenn der Kellner herauskommt um die Bestellung aufzunehmen. Danach wartet man im klimatisierten Auto, bis das Essen fertig ist und zum Auto gebracht wird. Ein ähnliches Spielchen läuft beim Tanken ab. Jede omanische Tankstelle hat mindestens einen Tankwart. Aussteigen und selber die Zapfpistole in die Hand nehmen ist verpönt. Man lässt lediglich die Seitenscheibe herunter, sagt dem Tankwart was und wieviel man davon haben möchte. Die Bezahlung erfolgt anschließend ebenfalls direkt aus dem Auto heraus beim Tankwart. Öffentliche Verkehrsmittel haben wir in unserer Zeit im Oman so gut wie gar nicht gesehen. Ohne einen Mietwagen wären wir wohl sehr aufgeschmissen gewesen.

Alles in allem ist der Oman ein sehr sauberes und sehr sicheres Reiseland. Der Omani ist ein guter Gastgeber. Allerdings sollte man sich auch bewusst sein, dass es einerseits kein günstiges Reiseland ist und es anderseits auch nicht soooo viel zu entdecken gibt, wie man es vielleicht aus anderen Regionen dieser Erde gewohnt ist. Wer damit klar kommt, der wird im Oman mit Sicherheit eine gute Zeit haben.

Zu meinen Lieblingsreiseländer würde ich den Oman jedoch leider nicht zählen.