• // 72 Stunden Kathmandu

72 Stunden Kathmandu


72 Stunden in Kathmandu. Eine andere Welt.

Vor wenigen Wochen genoss ich noch die Zeit bei einem sehr entspannten Stadtspaziergang im wunderschön sauberen und ultramodernen Vancouver mit meiner Freundin Marie.

Zwischenzeitlich habe ich mich, nach einem kurzen Zwischenstopp zum Wäsche waschen in Deutschland, mit freundlicher Unterstützung von Turkish Airlines in die zehn Flugstunden entfernte sehr chaotische, nicht ganz so saubere und moderne nepalesische Hauptstadt Kathmandu „schießen“ lassen.

Herzlich Willkommen im Kontrastprogramm.

Mein Plan sah vor, drei Nächte in Kathmandu zu bleiben und anschließend den Bus nach Pokhara zu nehmen. Nach einer weiteren Nacht in Pokhara, ging es am frühen Morgen nach Besisahar. Von dort habe ich mich an einer zwölftägigen Trekkingtour durch das Annapurna Gebirge (genauer gesagt auf dem Annapurna Circuit) versucht. Und ich kann euch bereits jetzt verraten, dieser Trip war eines der anstrengendsten und herausforderndsten Erlebnisse in meinem bisherigen Leben.

Da die Annapurna Region ein Nationalpark ist, braucht man für diese Wanderung ein sogenanntes „Trekking Permit“ (Eintrittskarte / Wandererlaubnis). Dieses Trekking Permit erhält man unter anderem im Tourist Service Center in Kathmandu. Nach einer Registrierung im Trekkers Information Management System (eine Art Registrierungssystem, welches im Notfall eine Bergung veranlasst und die Angehörigen informiert) und der Zahlung des Eintrittspreises für den Nationalpark, darf man sich bereits gut gelaunt auf den Weg machen 😉

Nachdem ich meinen Vormittag mit der Beschaffung der nötigen Dokumente für die Wanderung verbracht hatte, ging es nachmittags zum Kauf eines Bustickets (Fahrt Kathmandu – Pokhara) in den touristisch sehr geprägten Stadtteil Thamel. Als auch dieser Punkt der Planung organisiert war, blieb noch etwas Zeit den Nachmittag im „Garden of Dreams“ ausklingen zu lassen.

Der Garden of Dreams ist eine kleine sehr gepflegte Parkanlage in Mitten des sehr wuseligen Stadtteils Thamel. Dort findet man viel Ruhe und ein nettes Restaurant mit Blick auf den Park. Wenn ihr mal in Kathmandu sein solltet, ein absolut lohnenswerter Tipp!

In den mir verbleibenden Tagen vor meiner Abreise nach Pokhara schaute ich mir auch noch die Swayambhu Stupa (ein buddhistischer Tempelkomplex im Westen von Kathmandu) und den hinduistischen Tempelkomplex Pashupatinath im Osten der Stadt an.

Beides sehr beeindruckende Ort, welche gegensätzlicher nicht seien konnten.

An der auf einem Hügel über Kathmandu gebauten Swayambhu Stupa genoss ich die sehr entspannte Stimmung eines buddhistischen Tempels und die tiefstehende Sonne, welche die Tempelanlage am späten Nachmittag in ein sehr schönes warmes Licht tauchte.

Im hinduistischen Tempelkomplex Pashupatinath hingegen, war ich Augenzeuge von mehreren Totenverbrennungen. Diese Verbrennungsrituale werden im hinduistischen Glauben gleichgesetzt mit einer bei uns üblichen Beerdigung.

Als Augenzeuge, welchem dieses kulturelle Ritual völlig fremd war, empfand ich die Stimmung vor Ort als sehr bedrückend.

Nachdem der Leichnam an dem durch die Tempelanlage fließenden (heiligem) Fluss aufgebahrt wurde (das Wasser des Flusses war so dreckig, wie man es in Deutschland nur in Abwasserkanälen findet) und mit dem Flusswasser seine „letzte Waschung“ erhalten hat, wurde dieser auf die nebenan befindlichen Holzscheite gebettet, um anschließend in Brand gesteckt zu werden.

Nachdem der Körper vollständig verbrannt war, wurden die Überreste in den Fluss geschoben um Platz für die nächste Verbrennung zu schaffen.

Wenige Meter flussabwärts schwammen spielende Kinder in diesem Fluss. Eine für mich sehr verstörende Szenerie.

Die trauernden Angehörigen, als auch die spielenden Kinder, schienen dies allerdings als selbstverständlich und ganz normal wahrzunehmen, dass Freud und Leid nur wenige Meter auseinander liegen.

Nach diesen Erlebnissen in Kathmandu, begann am 22.10.18 schließlich mein ganz persönliches Fitnessprogramm.

Ich startete mein Trekkingabenteuer in der Annapurna-Region.

Es ging für zwölf Tage hinaus aus meiner Komfortzone, auf eine Höhe von bis zu 5.400 Metern, wo die Luft nur noch die Hälfte des Sauerstoffs enthält und jeder Atemzug bereits eine Anstrengung ist.

In einem folgenden Blogpost berichte ich über mein Trekking-Erlebnis auf dem Annapurna Circuit.