• // Have you seen Machu Picchu?

„Have you seen Machu Picchu?“


Ehrlich gesagt, konnten wir den Begriff „Machu Picchu“ nicht mehr hören.

Machu Picchu hier, Machu Picchu da. Es erweckte bei uns schon fast den Eindruck, als wenn Peru lediglich eine Sehenswürdigkeit besitzt und der Rest des Landes nettes touristisches Beiwerk zu seien schien. Dieser Eindruck wurde von einheimischen Taxifahrern und Hotelangestellten mit der immer wieder auftauchenden Frage „Have you seen Machu Picchu?“ nochmals befeuert.

Nun waren wir in Cusco, quasi das „Basislager“ des ganzen Machu Picchu Hypes, und hatten viel Zeit. So viel Zeit, dass wir neben einer ausführlichen Stadtbesichtigung auch noch die ein oder andere Tour ins Umland organisieren konnten.

Am zweiten Tag unserer Sightseeing-Tour durch Cusco kamen wir immer wieder an den zahlreich vertretenen Tourenveranstaltern vorbei und wurden regelmäßig freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, wo wir denn unbedingt hin „müssen“.

Am Ende des Tages hatten sie uns soweit, dass wir morgen (19.06.18) zumindest mal nach dem Preis fragen wollten. Wir hatten gehört, dass ein Ausflug nach Machu Picchu nicht ganz günstig sein soll. Vielleicht nimmt uns der genannte Preis ja die Entscheidung ab.

FUCK … 100 US Dollar für einen Bustransfer, Mittag- und Abendessen, eine Übernachtung in Aguas Calientes (Dorf am Fuße des Machu Picchu) und die Eintrittskarte für Machu Picchu !!!

Dieser Preis nahm uns leider nicht die Entscheidung ab dem Hype um Machu Picchu zu entgehen. Ganz im Gegenteil … nach einer kurzen „Beratung“ zwischen Marie und mir, war die Tour keine Stunde später gebucht.

Am Morgen des 20.06.18 ging es also los zu diesem Ort, gegen den wir uns anfangs innerlich so gewehrt hatten.

Da das 100 US Dollar Angebot die günstige und nicht die komfortabelste Variante war, begann unsere Reise zusammen mit 13 weiteren preisbewussten Touristen mit einer sechsstündigen Busfahrt in einem kleinen Mercedes Sprinter mit defektem Kühler.

Den Streckenverlauf würde ich, für ein Auto mit defektem Kühler, als recht anspruchsvoll bezeichnen. Es ging bereits zu Beginn viel bergauf und bergab.

Auf unseren doch sehr beengten Plätzen direkt hinter dem Fahrer, konnten wir der Tachonadel der Motortemperaturanzeige fröhlich beim „steigen“ in den roten Bereich zuschauen.

Wenn es mal wieder anfing bedrohlich zu riechen, machten wir einen Stopp um mit Mineralwasser das Kühlwasser aufzufüllen.

Danach ging es weiter die Serpentinen hinauf, bis auf eine Höhe von ca. 4.200 Meter. Oben war allen die Erleichterung anzumerken. Auch der Fahrer wirkte deutlich entspannter und genehmigte sich und seinem Fahrzeug eine etwas längere Pause. Hiervon profitierten wir und genossen die Aussicht auf eine spektakuläre Bergkulisse und einen freien Blick auf einen 5.680 Meter hohen schneebedeckten Gipfel.

Was wir hinaufgefahren waren, mussten wir auch wieder herunter. Daher waren nun die Bremsen des kleinen Sprinters gefragt.

Schwungvoll und mit einer weiteren frischen beruhigend wirkenden Ladung Kokablättern in den Backen des Fahrers ging es ca. eine Stunde lang die Serpentinen hinunter ins Tal.

Keiner hat gekotzt …. ein Wunder!

Unten angekommen gab es erst einmal Mittagessen. Man brachte uns zu einem Lokal, welches sich ganz augenscheinlich auf die Bustouristen nach Machu Picchu spezialisiert hat. Einheimische aßen hier nicht!

Feinsäuberlich aufgereiht standen viele kleine weiße Mercedes Sprinter vor dem Lokal. Drinnen schaufelten sich Gruppen von Busreisenden die Teller am Buffet voll.

Nachdem alle gestärkt waren, kamen die Offroadqualitäten unseres kleinen Mercedes Sprinters zum Vorschein. Kurz hinter dem Ort in dem wir Mittagspause gemacht hatten, zweigte eine „Straße“ (nach deutschen Verhältnissen eher ein Feldweg) in das Tal Richtung Aguas Calientes ab.

Diese „Straße“ … oder sagen wir mal „dieser Weg“ war ein aus dem Berghang gesprengter unasphaltierter Fahrstreifen, welcher mit sehr viel fahrerischem Können uns und ein Fahrzeug des Gegenverkehrs aufnehmen konnte.

Eine Leitplanke wäre an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas beruhigender gewesen. Auf unserer Sitzplatzseite blickten wir ca. 200 Meter steil hinunter auf den im Tal verlaufenden Fluss, unsere Sitznachbarn auf der anderen Seite blickten auf die nahe an den Busfenstern befindliche Felswand. Dieser Teil der insgesamt doch recht ereignisreichen Fahrt dauerte noch einmal ca. eine Stunde.

Da Aguas Calientes lediglich per Zug oder zu Fuß mit der „Außenwelt“ verbunden ist, setzte uns unser kleiner Mercedes Sprinter an dem letzten mit dem Auto erreichbaren Außenposten vor Aguas Calientes ab.

Dieser Ort hieß Hidroeléctrica und war die Werkszufahrt eines dort befindlichen Wasserkraftwerks und der Rangierbahnhof der Zugstrecke Cusco – Aguas Calientes.

Da die Variante „Zugfahren“, aufgrund des hohen Preises, für unsere preisbewusste Busreisegesellschaft ausfiel, ging es nach dieser oben beschriebenen sechsstündigen Busfahrt ab Hidroeléctrica nochmals auf eine dreistündige Wanderung nach Aguas Calientes.

Dabei folgten wir lediglich den parallel zu einem Fluss verlaufenden Eisenbahnschienen und durften hier bereits die sehr eindrucksvolle Landschaft dieses Tales bewundern. Ab und zu forderte uns mit lautem Hupen ein Zug des Streckenbetreibers PeruRail zum „Platz machen“ auf, welcher einer Gruppe nicht so knauseriger Reisender nach Aguas Calientes fuhr.

Am späten Nachmittag erreichten wir etwas erschöpft endlich Aguas Calientes.

Das im Preis der Tour enthaltene Doppelzimmer in einem Hostel war einfach und zweckmäßig. Nach dem ebenfalls im Tourenpreis enthaltenen Abendessen und einem kleinen Spaziergang durch das Dorf, ging es relativ früh ins Bett.

Die Nacht war kurz. Morgens um 3:00 Uhr aufstehen und Sachen zusammenpacken. Um 4:00 Uhr starteten wir und sehr viele Andere zu Fuß zum zwanzig Minuten entfernt befindlichen ersten Checkpoint, wo wir dann ab 5:00 Uhr den nochmals einstündigen Aufstieg auf den Machu Picchu begannen. Dieser sehr schweißtreibende unbeleuchtete Aufstieg führte über viele hunderte Natursteintreppenstufen in Serpentinen auf den Berg.

Um kurz nach sechs hatten wir es endlich geschafft. Nach einer kurzen Einweisung des Guides, welcher bereits auf dem Berg auf uns wartete, passierten wir die letzte Einlasskontrolle und genossen den bereits oft auf Postkarten gesehenen Ausblick über die Ruinen dieser verlassenen Stadt der Inka. Ist schon sehr beeindruckend, dies einmal mit eigenen Augen sehen zu dürfen.

Wenige Minuten später schaffte es dann auch die Sonne über die Bergspitzen und tauchte die Stadt in ein sehr dramatisches Licht.

Wir verbrachten ca. drei Stunden auf dem Berg, bevor wir uns auf den langen Rückweg machten.

Am Ausgang gab’s dann noch einen schönen Stempel in den Reisepass *LOL*

Nach einer ca. vierstündigen Wanderung bis zum „Sammelplatz“ für die Rückreise per Bus und einer sechsstündigen Rückfahrt, erreichten wir gegen 22:00 Uhr endlich wieder Cusco.

Ein anstrengender aber lohnenswerter Trip!