• // Half of my heart is in Havana

Half of my heart is in Havana


Krasser könnten die Gegensätze nicht sein …

Aber erst mal ganz von vorne. Meine anfänglichen Befürchtungen, meinen Anschlussflug von Moskau nach Havanna, aufgrund der sehr knappen Umsteigezeit von 70 Minuten und einem darin inbegriffenen Wechsel des Terminals, nicht erreichen zu können, lösten sich in Wohlbefinden auf. Mein Flug von Teheran nach Moskau kam sogar einige Minuten zu früh in Moskau an. Alles lief reibungslos … danke Aeroflot.

Allerdings hatte ich gerade erst ein kleines Teilstück einer seeeeehr langen Reise hinter mir. Von meiner Unterkunft in Teheran, zu meiner Unterkunft in Havanna brauchte ich in etwa 24 Stunden.

Erfahrungsgemäß gibt es auf derart langen Flügen wenig zu tun. Das On-Board Entertainment von Aeroflot bot leider auch nicht viel Abwechselung. Auf deutsch synchronisierte Filme gab es nicht und das Angebot an englischen Filmen war ebenfalls sehr bescheiden. Daher gab es für mich, neben den gebotenen Mahlzeiten und etwas Schlaf, eine Menge Zeit zur Ruhe zu kommen und nachzudenken. Wenn ich Zeit habe nachzudenken, stelle ich immer wieder fest, dass ich noch nicht in meiner gegenwertigen Situation angekommen bin. In solchen „Ruhephasen“ plagt mich öfters der Gedanke, warum ich das hier eigentlich so ganz alleine mache. Aus einer gewissen Distanz betrachtet, hat dieser Gedanke aber auch etwas Gutes. Schließlich zeigt er mir doch auch immer wieder, dass es zuhause eine Vielzahl an Personen und Dingen gibt, die lohnenswert sind „vermisst“ zu werden. Andererseits ist dieser Gedankengang, wenn er zu sehr ausufert, auch ein hinderlicher. Schließlich soll ja die Freude über diese lange geplante Reise nicht allzu sehr von Zweifeln an der Sinnhaftigkeit des alleine Reisens getrübt werden. Das ist eine Sache, die sich hoffentlich zukünftig nur noch in abgeschwächter Form zeigen wird.

Gedankengeplagt und sehr übermüdet kam ich schließlich um 12:30 Uhr Ortszeit in Havanna an und wurde prompt an der Einreisekontrolle rausgefischt, um in einem separaten Raum ein paar Fragen darüber zu beantworten, was ich denn im Iran so getrieben habe.

Das mir dies auf Kuba passiert, hätte ich jetzt nicht erwartet. Aber nun gut, dann machte ich eben ein bisschen den Erklärbär … und erzählte von meinem Beruf, von meiner Reise um die Welt und das ich im Iran nur ein ganz normaler Tourist gewesen bin.

Nachdem alle Fragen gestellt und alle Antworten gegeben waren, wurde ich wieder zurück zur Einreisekontrolle gebracht. Dort sauste der Einreisestempel mit einem Lächeln der Grenzbeamtin und einem herzlichen „Welcome to Cuba“ in meinen Pass. Puh, ein kleiner Schreckmoment.

Von da an verlief alles sehr einfach. Der von mir bei der Buchung meiner Casa Particular angefragte Flughafentransfer stand pünktlich am vereinbarten Treffpunkt und brachte mich zu meiner Unterkunft.

Als wir losfuhren bemerkte ich, dass hier etwas gewaltig anders läuft als das, was in den letzten Wochen im Iran so abging. Der Taxifahrer hielt sich nicht nur strikt an die vorgeschriebene Geschwindigkeit …. nein, er fuhr auch ausschließlich in der durch Fahrbahnmarkierungen vorgegebenen Fahrspur. Um uns herum drängelte und hupte keiner. Diese Fahrt empfand ich, nach fast vier Wochen purem Kampf im Straßenverkehr, als etwas verstörend.

Nach ca. 30 Minuten schon fast langweiliger Autofahrt ins Zentrum von Havanna, kam ich nicht unweit vom Malecón (der „Ocean Drive“ von Havanna) in meiner Unterkunft an. Es erwartete mich eine gut gelaunte und gut organisierte Eigentümerin der Unterkunft, welche mir ein sehr sauberes und gepflegtes Zimmer (leider ohne Fenster) zeigte. Die Dame führte zusammen mit ihrem Mann diese Unterkunft sehr professionell. Mit der von mir in meinem vorangegangenen Blogpost beschriebenen Unterbringungsform einer Casa Particular hat dies hier nicht mehr viel zutun. Das geht schon eher in Richtung Frühstückspension. Fand ich allerdings nicht sooo schlimm.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen, mich geduscht und ein paar Sachen ausgepackt hatte, machte ich mich zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Ein sofortiger Einstieg in den Alltag hilft mir immer, um mich schneller an die Zeitverschiebung (+ 8:30 Stunden zur iranischen Zeit) zu gewöhnen.

Die ersten Meter in Habana Vieja (Havanna Altstadt) kamen mir, trotzdem mein letzter Besuch immerhin schon 5 Jahre her war, sehr vertraut vor. Viel hat sich in der Zeit hier nicht getan.

Der Hunger trieb mich letztendlich auch in ein Restaurant, welches ich von meinem ersten Trip noch in guter Erinnerung behalten habe. Das Moneda Cubana hat nur drei Tische. Die Wände sind „tapeziert“ mit Geldscheinen und Münzen aus aller Welt. Die Speisekarte ist mit vier Hauptgerichten sehr übersichtlich. Das Essen ist super lecker und die hier servierten Mojitos sind ein echter Traum.

So kam es dann auch, dass ich – nach fast vierwöchigem Alkoholverbot im Iran – bereits am Mittag des ersten Tages meinen ersten Mojito mit ordentlich Rum zu mir nahm. Geiles Zeug!!!

Ich schaffte es schließlich noch bis 18 Uhr Ortszeit wachzubleiben, bevor mich die Müdigkeit überkam und ich bis zum darauffolgenden Dienstagmorgen (15.05.18) tief und feste durchschlief.

Nach einem guten Frühstück in meiner Unterkunft, startete ich ausgeschlafen in den Tag. Es ging zu Fuß den Malecón herunter bis zum Hotel Nacional. Das Nacional ist das berühmteste Hotel Kubas. Hier fand unteranderem im Dezember 1946 das größte jemals organisierte Treffen der nordamerikanischen Mafia statt. Organisatoren waren die Herren Meyer Lansky und Lucky Luciano. Stargast bei diesem Treffen war „the one and only“ Mister Frank Sinatra, welcher für die Herrschaften in den Räumen des Nacional ein Konzert gab. Das Haus an sich ist, neben seiner legendären Geschichte, aus architektonischer Sicht bereits einen Besuch wert. Im Garten des Hotels kann man dann wiederum auch wieder einen leckeren Mojito zu sich nehmen und den Blick über die Bucht von Havanna schweifen lassen. Ein sehr entspannter Ort.

Den Rest des Tages trieb ich mich in den Gassen der Altstadt herum, trank den ein oder anderen Kaffee und beobachtete das geschäftige Treiben von Touristen und Einheimischen zugleich.

Wie ihr an diesem Blogpost seht, gibt es hier zwischenzeitlich auch die Möglichkeit ins Internet „zu gehen“. Allerdings gestaltet sich dies deutlich kostspieliger und aufwendiger, als man es aus Deutschland oder anderen Ländern kennt.

Aktuell kostet eine Stunde Internet in Kuba 2 CUC (ca. 1,70 €).

Um sich ins Internet einwählen zu können, bedarf es einer Guthabenkarte mit einem Zugangscode und einem Hotspot an dem eine WiFi-Verbindung zur Verfügung gestellt wird.

Diese Hotspots findet man in der Regel an stark frequentierten öffentlichen Plätzen, oder in der ein oder anderen Hotellobby (meistens in den höherpreisigen Hotels). Diese Form des „online gehen“ erinnert mich an meine sehr frühe Jugend, in der man mit einer Telefonkarte „bewaffnet“ die nächste Telefonzelle aufsuchte, um dort ungestört von den Eltern mit seiner Freundin telefonieren zu können. Auf den ersten Blick also schön nostalgisch, mit der Zeit aber seeehr nervig!

Am Donnerstagmorgen (17.05.18)  ging meine Reise weiter in das landschaftlich sehr spektakuläre Vinales-Tal im Westen Kubas. Hier werde ich ein paar Tage verbringen und, wenn das Wetter es zu lässt, ein paar Wanderungen durch das Tal unternehmen.