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Und es hat doch noch geklappt. Letzter Tag, letzte Chance …. BÄÄÄÄÄM. Auf den Punkt.

Ich wartete die letzten Tage immer wieder auf eine Chance, auch mal mit einem der für Kappadokien so berühmten Heißluftballons fahren zu dürfen. Der Preis für die einstündige Fahrt ging absolut in Ordnung. Leider spielte das Wetter einfach nicht mit … zu viel Wind hieß es immer.

Samstagnachmittag endlich das erlösende „GO“. Morgenfrüh darf ich fliegen.

Sonntagmorgen 6:20 Uhr …. es ist kalt. Ich kann meinen Atem sehen. Auf den Straßen des Ortes ist um diese Uhrzeit nicht viel los. Einzig und allein die „Ballonmafia“ hat mit ihrer Arbeit bereits begonnen. Immer wieder schießen weiße Personentransportwagen mit ziemlich müde dreinschauenden Ballonfahrern aus den kleinen Seitengassen des Ortes. Ein Spiegelbild meiner selbst. Schließlich sitze ich nun auch in so einem Transportwagen. Es geht, wie ich später herausfinde, erstmal zu der Ballonfirma. Dort gibt es zum Aufwärmen Tee und Kaffee. Wieder einmal sind die Asiaten schneller und plünderten das Getränkebuffet, bevor ich überhaupt mit der Wimper zucken konnte. Die sind einfach kleiner und wendiger als wir Europäer. Respekt!

Der in meinem Hotel wohnende Amerikaner, mit dem ich mich auf der Fahrt zur Ballonfirma kurz bekannt gemacht hatte, bekam nach dieser Invasion nur noch den Rest, der in der Kaffeekanne übrig geblieben ist.

Als schließlich alle ihren Platz gefunden hatten ging es los. Die Gruppen für die jeweiligen Ballone wurden aufgeteilt. Auf der bereits im Auto verteilten „Safety Instructioncard“ stand rückseitig aufgestempelt das Wort „Tolga“.

Wie sich schließlich herausstellte war Tolga nicht der Name des Ballons, sondern der Name des Piloten. Nachdem sich alle, deren Schicksal nun von Tolgas fliegerischen Fähigkeiten abhing, zusammengefunden hatten, ging es abermals in einem weißen Personentransportwagen zu einem Startplatz außerhalb des Ortes.

Pilot Tolga hatte seinen Ballon schon flugbereit aufgepustet und begrüßte uns ebenfalls etwas verschlafen, aber herzlich, mit den Worten „I am your Pilot and these are your safety instructions …“

Nach einer kurzen Probe der bei der Landung einzunehmenden Körperhaltung im Personenkorb des Ballons, ging es auch schon los. Leinen los … Tolga gibt Gas.

Sanft wie eine Feder erhob sich der Ballon in die Luft. Die stille dieses frühen morgens durchbrachen lediglich die Feuerstöße des Brenners, welcher den Ballon zum Steigen animierte. Durch das Gleiten mit dem Wind, hat man an Bord des Ballons das Gefühl das es absolut windstill ist.

Um uns herum erhoben sich nun nach und nach dutzende weitere Ballone in das erste Licht des Tages. Ein wirklich atemberaubender Anblick.

Ein paar Minuten später schaffte es auch die Sonne über die Berge. Sonnenaufgang in 400 Metern Höhe. Traumhaft zu sehen, wie die Dunkelheit der Nacht auf den Hügeln und Tälern unter uns langsam schwindet und die ersten Sonnenstrahlen des Tages diese Landschaft in ein ganz sanftes Licht tauchen.

Nach circa einer Stunde des sanften Dahingleitens setzt Tolga auf einem Feld zur Landung an. Das Begleitfahrzeug mit dem Anhänger für den Ballonkorb ist bereits am Landeplatz vor Ort und nimmt Position ein. „Landing Position …. Landing Position“ ruft unser Pilot. Alle gehen in die Hocke, verkriechen sich im Korb und warten etwas angespannt auf den Aufschlag. Aber der harte Aufschlag bleibt aus … der Korb rutschte circa einen Meter sanft über den Boden um die Vorwärtsbewegung des Ballons zu stoppen.

Als wir zum Stehen kamen und alle gedanklich bereits beim Aussteigen waren, packte Tolga Trick 17 aus und machte mich etwas sprachlos. Mit zwei kurzen Gasstößen des Brenners ließ er den Ballon nochmal einen halben Meter vom Boden abheben, um anschließend in einer leichten Drehbewegung  den Korb, samt darüber stehenden Ballon, auf dem kleinen Anhänger des Begleitfahrzeuges präzise und sanft zum Stehen zu bringen. GANZ GROßES KINO …. RESPEKT!!!!

Etwas geflasht von diesen Eindrücken, beschloss ich am darauffolgenden Montagmorgen nochmals früh aufzustehen und vor meiner Abreise in Richtung Heimat mir die ganze Logistik dieses Ballonspektakels nochmal vom Boden aus anzuschauen. Hierfür lief ich in aller Frühe zu einem der vielen Startplätze in der Nähe des Ortes.