• // Die Cash-Cow

Die Cash-Cow


Wie jedem klar sein dürfte, erlebt man auf Reisen nicht nur schöne Dinge. Ich möchte hier nicht nur über die schöne heile Welt des Reisens schreiben. Auch mit Dingen die mir „gewaltig auf den Sack gehen“, möchte ich nicht hinterm Berg halten.

Viele Leute die erfahren, dass ich bereits das zweite Mal in Kuba unterwegs bin, stellen die Frage „und, hat sich in den fünf Jahren etwas verändert?“

Und ja, aus meiner bisherigen Erfahrung hat sich hier gewaltig etwas verändert. Nämlich die Menschen.

Je länger ich mich nun in diesem Land bewege, umso mehr schleicht sich bei mir das unschöne Gefühl ein, von vielen Leuten nur noch als Geldkuh gesehen zu werden, die um jeden Preis gemolken werden muss. Ein ehrlich gemeintes freundliches Lächeln, als ein Zeichen von Gastfreundschaft, habe ich während meiner aktuellen Reise durch Kuba beispielsweise nur noch sehr selten erlebt.

Das gab es 2013 in abgeschwächter Form zwar auch schon, aber damals überwogen noch die Bekanntschaften mit Menschen, die stolz darauf waren mir etwas von ihrem Land und ihrem Leben zu zeigen, ohne anschließend die Hand aufzuhalten und energisch eine „kleine Spende“ einzufordern.

Ohne dass ich dieses Gefühl in Gesprächen mit anderen Reisenden erwähnt habe, berichteten viele unabhängig von ähnlichen Situationen. Zuletzt hatte ich eine solche Unterhaltung mit einer Französin, welche ich in meiner Casa in Camagüey und später auf der Busfahrt nach Santiago de Cube kennenlernen durfte.

Sie berichtete mir auch von Situationen, in denen für „Leistungen“ Geld verlangt wurde, obwohl diesen das Wort „Leistung“ nicht annähernd gerecht wurde.

Eines von vielen Beispielen folgte auch prompt wenige Minuten später, als wir für einen Toilettenbesuch einer vollkommen verdreckten Toilette ohne Toilettenpapier und Seife am Busbahnhof von Camagüey mit 1 CUC (ca. 0,85€) zur Kasse gebeten wurden.

Soviel kostet in Deutschland noch nicht einmal ein Besuch auf einem tipptopp sauberen Sanifair Klo an einer Autobahnraststätte.

Ich weigerte mich, hierfür 1 CUC zu bezahlen und legte stattdessen 50 Cent auf den Teller. Zuvor hatte ich gesehen, dass manche Einheimische gar nichts zahlten. Daraufhin wurde ich angeschrien und energisch dazu aufgefordert 1 CUC zu bezahlen. Ich ließ mir das Ganze nicht weiter gefallen, drehte mich um und ging. Währenddessen rief man mir weiter irgendetwas Unschönes lautstark hinterher.

Ähnliches passierte mir bei einer Taxifahrt, bei der ich vor der Fahrt einen Fahrpreis von 4 CUC (runtergehandelt von 5 CUC) ausgemacht habe. Als ich die Fahrt am Ende mit dem 5 CUC Schein bezahlten wollte, welchen ich bereits bei den Fahrpreisverhandlungen sichtbar in der Hand hielt, konnte der Amigo auf einmal nicht mehr wechseln. Da sich mitten in der Pampa niemand fand, der hätte wechseln können oder wollen, blieb mir nichts anderes übrig, ihm die 5 CUC zu überlassen.

Auf meinen Einwand, dass ja schließlich 4 CUC ausgemacht waren, sagte er mir dreister Weise, dass es ja „nur“ 1 CUC wäre. Recht hat er ja, aber wofür verhandelt man einen Preis, wenn man sich am Ende nicht an seine verhandelte Abmachung hält.

Es gibt so viele Kleinigkeiten, an denen ich merke, dass man hier für viele Freundlichkeit, die in anderen Ländern (bisher noch) umsonst und selbstverständlich sind, bezahlen muss.

Diese Entwicklung ist sehr sehr schade und trübt meine Meinung von Kuba aktuell doch stark!

Ich bin nicht naiv und mir durchaus darüber bewusst, dass man ein sehr ausgeprägtes Interesse daran hat Geld zu verdienen. Das ist ja auch ok! Dieses Interesse war jedoch im Iran genauso stark ausgeprägt. Allerdings ist die Art und Weise wie es hier in Kuba betrieben wird absolut uncharmant, frech und plump.

Diese Entwicklung lässt Kuba für mich als erneutes zukünftiges Reiseziel erstmal in weite Ferne rücken.

Sorry Kuba, aber da gibt es Länder in denen ich deutlich charmanter und freundlicher um meine „Kohle“ gebracht werde 😉

Soviel dazu ….

Es grüßt die gemolkene Kuh 🙂